„Ohne Wasserstoff keine Klimaneutralität“ – Hochschule forscht mit Mini-H2-Infrastruktur

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„Wasserstoff an der Hochschule Reutlingen erleben“ war am Montag an der Reutlinger Hochschule möglich – Forschung an Dezentraler Wasserstoffinfrastruktur

 Noch ist die Produktion von Wasserstoff zu teuer. Aber: Photovoltaikmodule waren auch mal extrem teuer“, erläuterte Prof. Gernot Schullerus am Montagnachmittag neben einem kleinen exemplarischen Elektrolyseur, mit dem genau dieser energetische Stoff der Zukunft produziert wird – einem Elektrolyseur in Miniaturformat.

„Wir forschen an dezentralen Energiesystemen, an Energieeffizienz und Klimaneutralität“, betonte Prof. Sabine Löbbe als Präsidentin der Reutlinger Hochschule am Montag bei einem Festakt. Dort gratulierte Dr. Andre Baumann als Staatssekretär des Landesministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft dem Reutlinger Energiezentrum (REZ) „zu der neuen Aufgabe“.

Bei der Forschung an „kleinen Elektrolyseuren, die aber ein großes Projekt für Baden-Württemberg sind“, handle es sich um eine „segensreiche Aufgabe“, so Baumann. „Hier wird ein Meilenstein für die neue Energiewelt ausgetestet.“ Denn: Um die Klimaziele zu erreichen, werde Wasserstoff (H2) dringend gebraucht. Und obendrein „mehr Intelligenz in den Energiesystemen“, wie der Staatssekretär in Vertretung von Thekla Walker, der Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft betonte.

Kopf der neunköpfigen Forschungsgruppe an der Reutlinger Hochschule sind die Professoren Thorsten Zenner und Gernot Schullerus. Sie leiten das „Leuchtturmprojekt“, mit dem „dezentral und netzdienlich grüner Wasserstoff erzeugt werden soll“, so Löbbe. Das Konzept dahinter heiße „H2-Grid“, damit werde der grüne Wasserstoff verstromt und an Abnehmer wie Industrie, ÖPNV oder Wasserstoff-Tankstellen vertrieben.

Kein Wunder, dass die Forschung viel Aufmerksamkeit und auch viel Zuspruch erlebt? Greta Schirmer-Förster betonte als Erste Landesbeamtin beim Landkreis Reutlingen: „Die Region bietet hervorragende Voraussetzungen für nachhaltige Technologien.“ Allerdings sei der Aufbau einer neuen Energieinfrastruktur sehr komplex – „das ist nur im Schulterschluss mit anderen möglich“, so Schirmer-Förster. Sie zeigte sich aber auch überzeugt, dass „die nachhaltige Transformation vor Ort gelingen kann“.

Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck freute sich ebenfalls über die Einweihung der Wasserstoff-Infrastruktur an der Hochschule. Quasi in Miniaturformat wird dort nun weiter geforscht, was später in großem Maßstab gelingen soll. Vorteilhaft sei das laut Schullerus auch, weil ja bereits Gasleitungen vorhanden sind, die dann den gasförmigen Wasserstoff weitertransportieren könnten.

Aber: Zahlreiche Probleme und Herausforderungen seien eben noch nicht gelöst. Etwa, dass der dezentrale Ansatz in ländlichen Regionen deutlich leichter falle als in Städten. „Auf der Schwäbischen Alb kann man einfach einen Elektrolyseur neben die Windräder stellen“, so Schullerus. In den Kommunen sei das nicht so einfach möglich.

Dringend vonnöten sei die Forschung in dem Bereich, befand OB Keck. „Immerhin waren die vergangenen drei Jahre in Baden-Württemberg die wärmsten, die es jemals gab.“ Um den Kohlendioxid-Ausstoß noch zu senken, seien die kommenden Jahre entscheidend, so Reutlingens Rathauschef. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sei dabei zentral – so wie sie in dem Projekt nun auch praktiziert werde.

Bei der Grundidee handle es sich darum, dass bei der Nutzung von Photovoltaik und Windenergie viel Überschussenergie produziert werde. Mit dieser Energie könne über die Elektrolyse Wasserstoff produziert werden. Allerdings gelte es dazu (unter anderen) die Frage zu lösen, wie H2 möglichst effektiv gespeichert und transportiert werden kann – und zwar dezentral. Gernot Schullerus zeigte sich überzeugt: „Ohne Wasserstoff werden wir nicht klimaneutral.“

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