Noch kein eindeutiger Favorit? – Info-Veranstaltung zur Regionalstadtbahn in Betzingen

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(Foto oben: Das Interesse in der Betzinger Julius-Kemmler-Halle an der Info-Veranstaltung zur Regionalstadtbahn war groß am Mittwochabend.)

Info-Abend zur möglichen Trassenführung der Regionalstadtbahn (RSB) in Betzingen – Zwei unterschiedliche Varianten sind heiß umstritten

„Für beide Varianten der Streckenführung durch Betzingen gibt es unterschiedlich gute Argumente“, sagte Planungsamtsleiter Stefan Dvorak am Mittwochabend in der Betzinger Julius-Kemmler-Halle. Dem stimmte auch Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp an diesem Informationsabend über den momentanen RSB-Planungsstand zu, aber: „Die Entscheidung, welche Trasse letztendlich gebaut wird, fällt nicht heute Abend“, so Rupp. Am 16. Dezember werde der Reutlinger Gemeinderat schlussendlich darüber entscheiden.

„Es gibt noch keinen eindeutigen Favoriten“, sagte Rupp. Die Wildermuth-Anbindung mit dem Stopp am Betzinger Bahnhof habe den Charme, dass dort alle Verkehrsarten an einem Punkt zusammenkommen würden. Die Bewohner der Wildermuth-Siedlung würden zudem mit einer eigenen Haltestelle abgeholt, was mehr potenzielle Nutzer anziehen würde, wie der Bezirksbürgermeister erläuterte.

Steffen Thomma vom RSB-Zweckverband sagte jedoch dazu: „Dafür würden andere Fahrgäste aus Mössingen oder Reutlingen wegbleiben, weil die Stadtbahn bei dieser Variante drei Minuten länger unterwegs wäre.“ Was sind schon drei Minuten, könnte man entgegnen, aber: „Weil die Regionalstadtbahn am Bahnhof nur einspurig verlaufen könnte, müsste eine Bahn in Richtung Mössingen oder in Richtung Reutlingen warten“, erläuterte Tobias Bernecker als Geschäftsführer des RSB-Zweckverbands diesen entscheidenden Nachteil. Jeweilige Anschlusszüge in Richtung Hechingen oder in Richtung Stuttgart würden dann nicht mehr erreicht.

Außerdem müssten bei der Wildermuth-Trasse drei Brücken gebaut werden, bei der Variante auf der Alten Bahntrasse in Richtung Ohmenhausen nur eine. Dementsprechend wären die Kosten bei der Wildermuth-Lösung auch höher, anstatt rund 117 Millionen Euro würden laut Thomma hier etwa 136 Millionen zu Buche schlagen.

„Wenn die Wildermuth-Trasse richtig gut funktionieren würde, auch mit den Anschlüssen, dann wäre ich klar für diese Variante“, hatte Friedemann Rupp betont. Einfach, weil die Anbindung des Betzinger Bahnhofs großen Charme hätte. Aber, so betonte Eberhard Gänzle von der BI gegen die Wildermuth-Trasse: „Bei dieser Variante müsste in einige private Grundstücke eingegriffen werden. „Und je länger die Stadtbahn unterwegs ist, umso weniger Fahrgäste werden dort mitfahren.“

Das sah Jenny Winter-Stojanovic ähnlich: „Das soll doch eine Pendlerbahn werden, wer will denn aus der Wildermuth-Siedlung überhaupt da mitfahren“, sagte die Stadträtin. Grundsätzlich würde die große Mehrheit der Betzinger bei beiden Varianten nicht erreicht – dieses Argument war am Mittwochabend in der Kemmler-Halle öfter zu hören. Allerdings gebe es ja immer noch den Busverkehr, der in Betzingen gut funktioniere.

„Wir Betzinger müssen endlich mal erkennen, dass wir nicht der Nabel von allem sind“, betonte Winter-Stojanovic. Sie plädierte eindeutig für die Alte-Bahntrasse, weil die billiger, schneller und mit weniger Aufwand zu erreichen sei. Außerdem seien bei der Wildermuth-Trasse laut Kurt Gugel die Fragen des Grunderwerbs noch lange nicht geklärt – was sich bei der Alten Bahntrasse als deutlich einfacher darstelle.

Positiv bewertete Reutlingens Baubürgermeisterin Angela Weiskopf das große Interesse am Mittwochabend von rund 120 Personen in der Kemmler-Halle. Verwunderlich sei das aber nicht, weil zahlreiche Betzinger schon Rückmeldungen bei der Stadt wie auch beim Zweckverband eingereicht hätten.

Beschwert hatte sich Eberhard Gänzle am Mittwochabend, dass er erst vor knapp drei Wochen erfahren habe, „dass die Wildermuth-Trasse wieder im Rennen ist“. Sein Argument gegen diese Variante: „Es ist nicht zu rechtfertigen, dass die Wildermuth-Trasse mehr als 20 Millionen Euro teurer wäre und auch noch Grundstücksbesitzer gegebenenfalls enteignet werden können.“ Allerdings hatte sich auch gegen die Alte-Bahn-Trasse schon länger eine Bürgerinitiative stark gemacht.

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