„Es muss endlich was passieren“ – BI Lärmschutz an der B 27 fordert Maßnahmen gegen Verkehrslärm

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Bürgerinitiative Lärmschutz an der B 27 hatte zur Diskussion im Wirtshaus unterm Wasserturm nach Häslach geladen – Thomas Poreski und Maximilian Menton auf dem roten Sofa

Nur wenige Meter vom Wirtshaus unterm Häslacher Wasserturm entfernt wurde der Verkehr auf der Bundesstraße am Freitagabend allein durch den Nebel in beiden Richtungen ein wenig ausgebremst. Innerhalb der Gaststätte tauschten „Politprominenz“, Mitglieder der Bürgerinitiative „Lärmschutz jetzt an der B 27“ und Interessierte derweil Argumente aus.

Worum es ging? Natürlich um Lärmschutz. Und um die Empörung über „5 Jahre – und kein bisschen leiser“. Denn: Vor fünf Jahren hatte sich die BI gegründet, um gegen den Lärm von der B 27 anzukämpfen, der vor allem Anwohner in Rübgarten, Gniebel, aber auch in Walddorfhäslach belastet, wie Richard Stasch und Anna Armbruster aus dem BI-Vorstand betonten.

Beide moderierten auch die Veranstaltung an diesem Abend, eingeladen hatten sie Thomas Poreski (Grüner Landtagsabgeordneter) sowie Dr. Maximilian Menton (CDU), der 2026 in den Landtag einziehen will. Mit dabei waren zudem Walddorfhäslachs Rathauschefin Silke Höflinger und ihr Kollege aus Pliezhausen, Christof Dold.

Doch zunächst kamen Betroffene des Verkehrslärms zu Wort: Ein Anwohner aus Rübgarten „in Sichtweite der B 27 hört ein Dauerrauschen“. Auf der Anhöhe von Rübgarten wohnt eine Frau, die betonte: „Uns trifft der Lärm voll, auf unserer Terrasse sitzen ist kaum möglich genauso wenig wie schlafen bei offenem Fenster.“

Richard Stasch aus Gniebel betonte: „Wir wohnen oberhalb von der Bundesstraße, dort ist es extrem laut.“ Poreski hatte sich die Situation vor Ort angesehen und angehört: „Das ist wie in einem römischen Amphitheater.“ Als Arzt im Krankenhaus bemerkte Menton: „Lärm hat Auswirkungen auf den Körper, ein steter Lärmpegel macht krank.“

Höflinger und Dold betonten, dass sie schon seit mehr als zwei Jahrzehnten für Lärmschutz an der B 27 kämpfen. „Erst in den letzten Jahren hat das Thema an Dynamik gewonnen, jetzt läuft es aber wieder ins Leere“, so Pliezhausens Rathauschef. Während Thomas Poreski eine schnelle Temporeduzierung auf 80 Stundenkilometer forderte, sagte Max Menton, dass er dafür nicht zu haben sei. 100 Stundenkilometer auf den 2,5 Kilometern an Walddorfhäslach, Rübgarten und Gniebel vorbei sei in Ordnung.

Eine Lärmschutzwand „ist ein legitimes Ziel, aber aus Kostengründen schwer durchzusetzen“, so der CDU-Politiker. Poreski widersprach: „Wir haben doch jetzt riesige Töpfe für Infrastruktur, warum sollte ein Teil des Geldes nicht hier eingesetzt werden?“ Außerdem sei sicher: Wenn Lärmschutzwände kämen, dann müsse aufgrund der Luftverwirbelungen zwangsläufig Tempo 80 eingeführt werden.

Außerdem sehe er nicht ein, warum andere Regierungspräsidien Tempo 80 auf Bundesstraßen eingeführt hatten, bei Pliezhausen das aber nicht möglich sein soll. Schließlich sei Tempo 80 auf der B 10 zwischen Plochingen und Stuttgart sowie auf der B 313 zwischen Köngen und Plochingen schon seit vielen Jahren Realität.

„Weil wir wussten, dass Tempo 80 schwierig ist, haben wir 2019 vorgeschlagen, Tempo 100 einzuführen“, betonte Höflinger. Eine Entscheidung darüber werde jedoch seitdem zwischen Bund und Land hin- und hergeschoben. Silke Höflinger forderte zudem Lärmschutzwände – die doch könnten begrünt oder mit PV-Anlagen bestückt werden.

Walddorfhäslachs Bürgermeisterin sprach sich jedoch gegen den lärmmindernden Belag auf der B 27 aus, der auf den Fahrspuren in Richtung Tübingen bereits aufgebracht wurde – der müsse alle sechs Jahre erneuert werden. Und dem Versprechen, dass der Belag in Richtung Stuttgart baldmöglichst folgen sollte, folgte eh gar nichts.

Das liege laut Richard Stasch auch daran, dass von der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) mit falschen Zahlen gerechnet werde. 2019 waren bei Walddorfhäslach und Gniebel rund 50.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt worden. Der Wert sei nun aber auf 40.000 Fahrzeuge reduziert worden. Niemand wisse, warum. „Wurde da einfach eine Zahl in den Raum geworfen“, fragte Stasch. Besonders ärgerlich sei dabei, dass mit diesem Wert auch begründet wurde, dass weitere Maßnahmen nicht notwendig seien – weil ja die Verkehrszahlen signifikant gesunken sein sollen.

Einig waren sich die Anwesenden im Wirtshaus am Freitagabend, dass nun endlich was in Richtung Lärmschutz an der B 27 passieren müsse – „aber faktenbasiert“, so Poreski. Ein Physiker aus dem Publikum hatte noch erwähnt, er selbst habe Lärmwert-Messungen an der B 27 vorgenommen, mit dem Ergebnis: 85 Dezibel direkt an der Straße – also meilenweit entfernt vom gesetzlichen Grenzwert von 64 Dezibel.

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