Mehr als 160 Ehren- und Hauptamtliche der Hospiz-Arbeit, Pflegekräfte, Ärzte und Sozialarbeiter beim Hospiz-Fachtag im Metzinger Kreissparkassen-Forum
Die Bedeutung von Gesprächen zwischen Tür und Angel spielen oftmals eine deutlich größere Rolle als man vermuten könnte. „Wir haben gesehen, dass genau diese Gespräche beim Hinausgehen, wenn vermeintlich schon alles gesagt ist, in der Hospizarbeit eine große Bedeutung haben“, berichtet Katja Badstöber als Geschäftsführerin des Ambulanten Hospizdienstes nach dem Fachtag in Metzingen zu genau diesem Thema.
Dass viele Beschäftigte in den jeweiligen Bereichen der Pflege, in Kliniken, in Hospizen, aber auch viele ehrenamtlich Engagierte dieses Thema als wichtig erachten, haben mehr als 160 Gäste des Fachtags der ambulanten Hospizdienste Reutlingen und Metzingen/Ermstal sowie das stationäre Hospiz Veronika in Eningen vor einigen Tagen eindrücklich unter Beweis gestellt.
„Wir begeben uns auf Schatzsuche“, hatte Prof. Maria Knab in das Thema eingeleitet. Als ehemalige Leiterin des Studiengangs Soziale Arbeit auf dem Reutlinger Campus forschte sie seit Jahrzehnten zum Thema der niedrigschwelligen Beratung. Beim Fachtag sprach sie darüber, von welch fulminanter Bedeutung die ungeplanten, scheinbar absichtslosen Gespräche zwischen Tür und Angel gerade in der Hospizarbeit sein können, „sie sind wahre Kostbarkeiten“, so Knab.
„In der Palliativarbeit kriegen die scheinbar nebensächlichen Gespräche eine besondere Bedeutung“, betonte auch Katja Badstöber. „Schließlich geht es in der Hospizarbeit um die intensivsten und bedeutendsten Themen des Lebens überhaupt – und die werden oft zwischen Tür und Angel geführt.“ Genau das belegte Maria Knab beim Hospizfachtag mit ihren fachlichen Forschungsergebnissen.
Ein weiterer Schwerpunkt an diesem besonderen Tag im Kreissparkassen-Forum in Metzingen war ein Podium, auf dem die ehrenamtlich engagierte Hospizmitarbeiterin Anke Bächtiger sich mit der Palliativmedizinerin Dr. Marion Daun, mit Carola Riehm als Pflegewissenschaftlerin und Gesamtleiterin des Stuttgarter Hospizes sowie mit Maria Knab und Andreas Herpich als Leiter des Eninger Hospizes Veronika unterhielten.
Die Fachleute kamen zu dem eindeutigen Schluss, dass diese „Nebenbei-Gespräche“, die zumeist fernab von der medizinischen Diagnose die Patienten beschäftigen und belasten, von den Medizinern und Pflegekräften „oft nicht als wichtig betrachtet werden“, wie sowohl Riehm und auch Daun bestätigten. Ihr Fazit: Ärzte sollten sensibler werden, den Patienten zuhören. Für die Patienten sei es hingegen in diesen Extremsituationen oft schwierig, ihre Fragen zu formulieren. Die Ärzte seien hingegen geschult, die Patienten nach Schema F zu behandeln.
„Für mich als Ärztin war die Erkenntnis eine Erleichterung, dass die niedrigschwelligen Gespräche als wichtig eingestuft werden müssen“, so Marion Daun. Daraus könne auch abgeleitet werden, dass sich in der Palliativarbeit Dinge entwickeln, die nicht nur mit der Haltung des Fachpersonals in Kliniken, Hospizen und Pflegeeinrichtungen zu tun haben. Sondern mit dem Alltag aller Menschen.
„Es geht um die Menschen mit all ihren Facetten“, betonte Badstöber als Mitveranstalterin des Fachtags. „Gehen Sie mal auf die normalen Stationen in den Kliniken und dann auf die Palliativstation – dann merken Sie einen deutlichen Unterschied.“ Mirela Clemen fügte als Koordinatorin im Erwachsenenbereich des Reutlinger Ambulanten Hospizdienstes hinzu: „In der ehrenamtlichen Hospizarbeit ist es wichtig, Zeit mitzubringen.“ Aber auch die Fähigkeit, spontan zu reagieren und wieder zu gehen, wenn die Patientin oder der Patient das so wollen, hatte Bächtiger beim Fachtag betont.
„Der Ehrenamtliche kommt als Mensch, während die Profis in den Kliniken mit einer Absicht kommen“, so Badstöber. „Profis müssen lernen, zuzuhören.“ Maria Knab nannte das beim Hospizfachtag: „Professionell unprofessionell sein.“ Badstöber und Clemen bezeichneten die Veranstaltung des Fachtags als sehr gelungen, „er war stimmungsvoll mit viel Lebendigkeit“.
Gewürdigt wurde die Palliativarbeit auch von Ulrich Fiedler – der Reutlinger Landrat lobte das gute palliative Netzwerk in der Region und drückte seine Wertschätzung für all die Menschen aus, die sich in dem Bereich engagieren – also die Ehrenamtlichen wie auch die Hauptamtlichen.