Neulich nach dem Konzert von Booghk de Doo in Münsingen (siehe Bericht auf dieser Homepage). Als die fantastische Vorstellung der Bad Uracher Band vorbei war, kam ein Mann auf mich zu und sagte: „Habe ich Sie nicht kürzlich beim Tauchen gesehen?“
Beim Tauchen, dachte ich. Ich und tauchen? „Ach klar“, fiel mir dann doch ein. „Sie meinen, im Freibad letztens, als ich über das Schnuppertauchen vom Tauchverein im Reutlinger Sprungbecken vom Freibad berichtet habe.“ „Ja, genau“, sagte der Mann.
Er sei im Becken gewesen, habe den zumeist Jugendlichen die ersten Schritte (oder vielmehr Tauchzüge) beigebracht. „Dann sind Sie im Tauchverein“, schlussfolgerte ich, im Bewusstsein meiner unglaublich großen Intelligenz. Genau, sagte der Mann. „Tut mir leid, dass ich Sie nicht erkannt habe heute, damals waren Sie, glaube ich, im Wasser mit Taucherbrille und Sauerstoffgerät.“
„Ja, das war wohl schwierig, mich heute zu erkennen“, so der Mann etwas verdattert. Wir sprachen über dies und jenes, auch darüber, dass er offensichtlich kein Schwabe war, wie ich messerscharf erkannt hatte.
„Wo kommen Sie denn ursprünglich her“, fragte ich. „Düsseldorf“, sagte er etwas verwundert. „Ich dachte, ich spreche astreines Hochdeutsch.“ Aber geboren sei er in Dortmund. Als gebürtiger Kohlenpott-Junge aus der Nacharstadt Witten sagte ich: „Den Slang kenn ich doch.“
„Ja, aber ich war beruflich auch einige Jahre in Bayern, in Holland und andernorts.“ „Dann sind Sie wohl ein Sprachengenie“, fragte ich. „Ach was“, meinte er. „Ich hatte mal einen Kollegen, der sprach sieben Sprachen, aber vertragssicher“, betonte er, begleitet mit entsprechend bewundernder Mimik. Soso, vertragssicher, dachte ich.
Gesagt habe ich hingegen: „Unglaublich – pah, sieben Sprachen, Wahnsinn.“ Und meine Frau meinte: „Ihr Kollege war wohl genetisch gesponsert.“ Mir – und unserem Gegenüber – blieb die Spucke weg, uns beiden fiel zu diesem unglaublich intelligent klingenden Satz nichts mehr ein. Aber wirklich gar nichts.
Später auf der Heimfahrt sagte meine Frau zu mir: „Ich wollte eigentlich nur sagen, dass der Kollege offensichtlich eine besondere Sprachbegabung hatte, aber das hörte sich doch gut an: Wir sprechen hier über genetisches Sponsoring.“ Wir lachten herzlich. Und wie unglaublich toll sich das anhörte – genetisch gesponsert. Da wäre ich als Journalist auch gerne mal dabei gewesen, als aus den Fördertöpfen des genetischen Sponsorings die Mittel verteilt wurden.
Musikalisch ist der Topf ja völlig an mir vorbeigegangen. Aber so rein sprachlich betrachtet – wäre schon toll gewesen, genetisch noch ein bisschen mehr gesponsert worden zu sein. Aber ich will mich nicht beklagen. Immerhin verdiene ich genug Geld mit dem Tagesjournalismus, um davon leben zu können. Und das schon seit einigen Jahrzehnten. Und das auch ohne Sponsoring.