Gefühlte Unsicherheit in der Innenstadt vor allem nachts – 3. CityTalk zum Thema Sicherheit

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(Foto oben: Sie waren auf dem Podium beim 3. CityTalk und äußerten sich zum Thema Sicherheit, (von links) Roland Wintzen, Günter Brucklacher, Anna Mylona, Moderatorin Antje Grobe, Yasmin Maier, Kurt Meyer und Carsten Hutt)

„Sicherheit in der Innenstadt“ im Zentrum beim 3. CityTalk im Reutlinger Spitalhofsaal – Frauen fühlen sich im Dunkeln auf Heimweg unsicher

„Das Thema Sicherheit bewegt uns alle“, betonte Anna Bierig zu Beginn des 3. CityTalks am Dienstagabend im Reutlinger Spitalhofsaal. „Es gibt Orte in der Innenstadt, die wir weiter entwickeln müssen“, so die Stadtmarketing-Geschäftsführerin in einem gut gefüllten Saal. Erfreulich sei nach den Worten von Oberbürgermeister Thomas Keck, dass in den vergangenen Monaten mehr als 20 neue Läden in der Kernstadt eröffnet haben.

Zudem seien zwischen Januar und August 2025 insgesamt 7 Millionen Menschen in die Innenstadt gekommen, „das sind 875.000 jeden Monat“, so Keck. „Die Innenstadt ist weiter ein beliebter Ort“, schlussfolgerte Reutlingens Rathauschef. Positive Entwicklungen sehe er auch im Gerberviertel, aber: Das Thema Sicherheit spiele stets eine gewichtige Rolle. Deshalb sei auch ein Arbeitskreis Sicherheit gegründet worden.

Wie aber sehen die Fakten aus beim Thema Sicherheit? Zu der Frage hatte Prof. Jörg Kinzig an diesem Dienstagabend in einem Vortrag einiges zu berichten. Etwa, dass die Straftaten in Deutschland in den zurückliegenden 15 Jahren zurückgegangen sind.

In der Stadt Reutlingen habe die Zahl jedoch zugenommen – was aber vor allem auf mehr Kontrollen im ÖPNV zurückzuführen sei, so Kinzig. „Die Kriminalitätsbelastung im Bereich des Polizeipräsidiums und der Stadt Reutlingen ist moderat.“ Interessant dürfte sein, dass die „gefühlte Sicherheit“ bei AfD-Anhängern zu einer deutlich größeren „Kriminalitätssorge“ führe als bei anderen Wählergruppierungen.

Interessant ebenfalls: „Das Sicherheitsgefühl beeinflusst das individuelle Verhalten, die Lebensqualität, das Konsumverhalten – und selbst politische Einstellungen“, betonte der Tübinger Universitätsprofessor. Aber es gebe Maßnahmen, um das Sicherheitsgefühl zu verbessern: Videoüberwachung etwa, mehr Licht, mehr Polizeipräsenz. Kinzigs Fazit zur Kriminalitätsentwicklung in Reutlingen: „Nicht besorgniserregend, Furcht ist am ehesten der Ausdruck einer allgemeinen Verunsicherung.“ Durch Kriege etwa. Abschließend sagte der Professor: „Kommen Sie sicher durch den Herbst.“

Auf das Podium begaben sich anschließend sechs Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen des städtischen Lebens. Anna Mylona etwa, Gastronomin am Marktplatz und CDU-Gemeinderätin. Sie betonte, dass sie für die Abendstunden keine Mitarbeiterinnen mehr finde, weil Frauen sich nachts vor dem Weg zum Parkhaus fürchten.

Roland Wintzen sagte: „Jeder Input hilft, wir haben ja etwa in der Rathausstraße neue Leuchten installiert.“ Der Finanzbürgermeister betonte auch: „Das Thema Sicherheit ist bei uns zentral – aber auch sehr komplex.“ Videoüberwachung sei eine Maßnahme, die helfen könnte, „aber dafür braucht es auch mehr Polizeikräfte“.

Direkt damit angesprochen war Günter Brucklacher vom Polizeipräsidium: „Wir analysieren, was in Unordnung ist und stellen uns darauf ein.“ Dazu gehöre auch, dass Kriminalitätsfallzahlen pro Hektar betrachtet werden – die seien am Listplatz am höchsten, aber mit sinkender Tendenz. Die Quoten am ZOB / Skaterpark / Bürgerpark seien halb so hoch, am Marktplatz am niedrigsten. „Wir werden so weitermachen, damit niemand mehr Angst haben muss.“

Yasmin Maier vom Stadtmarketing betonte: „Es gibt in Reutlingen ganz viele Menschen, die sich hier wohl fühlen.“ Aber: Vor allem Frauen würden häufiger sagen, dass sie in der Dunkelheit auf dem Heimweg Angst haben. Kurt Meyer als Leiter des Amts für Schule, Jugend und Sport geriet regelrecht ins Schwärmen: „Ich empfinde die Stadt als schön.“ Er sehe aber auch den großen Bedarf von Jugendlichen, die etwa das Jugendcafé am Federnseeplatz besuchen.

Dafür sei es im benachbarten Gerberviertel durch die Maßnahmen von Werk ISI und Dr. Carsten Hutt deutlich ruhiger geworden. „Wir bringen durch Veranstaltungen unterschiedlichste Menschen zusammen.“ Roland Wintzen hatte einen weiteren Aspekt aufgeworfen: „Das Wohnen in der Innenstadt.“ Das helfe nicht nur zur Belebung der Kernstadt, sondern verleihe den Bewohnern auch Identität.

Bei einer Handy-Abfrage wurden die Gäste im Spitalhofsaal nach ihrem persönlichen Sicherheitsgefühl befragt. Dabei stimmten die meisten für Maßnahmen wie belebte und schöne Orte, tolle Veranstaltungen, Sauberkeit spiele eine Rolle, auch die Beleuchtung und Präsenz der Polizei. Weniger gefragt war die Videoüberwachung. „Wir sehen, es braucht ein ganzes Bündel an Maßnahmen, damit die Menschen sich in der Innenstadt sicherfühlen“, schlussfolgerte Moderatorin Dr. Antje Grobe. Das Schlusswort hatte Anna Bierig schon vorweggenommen: „Die Sicherheit in der Innenstadt geht nur gemeinsam.“

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