BUND-Warentauschtag auf dem Gelände der TBR mit manchen Kuriositäten

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Warentauschtag des BUND zum 63. Mal auf dem Betriebsgelände der TBR lockte Hunderte Menschen an

Joachim Reidelbach vom BUND mag diesen Einsatz auf dem Gelände der Technische Betriebsdienste Reutlingen zweimal im Jahr: „Der Warentauschtag ist zwar mit viel Arbeit verbunden, aber er macht auch Spaß“, betonte der Chef dieser Aktion. Seit mehr als 25 Jahren ist er selbst schon dabei, Anfang der 1990er Jahre wurde der Tauschtag zum ersten Mal durchgeführt. „Es ist heute das 63. Mal, dass wir das machen“, so Reidelbach.

Nach wie vor lautet das Motto „verschenken statt wegwerfen – Müll vermeiden“. So manche Kuriosität wird da morgens angeliefert und findet nachmittags eine neue Besitzerin oder einen neuen Besitzer. Oder auch keines von beiden: Etwa ein Drittel von dem, was die Leute bringen, muss verschrottet werden, betont Reidelbach. Der Rest findet meist jemanden, der das Gebrachte noch gebrauchen kann.

Oder der das womöglich selbst weiterverkauft. Das sei zwar nicht so gedacht, kontrollieren könne das aber niemand. Jeder kann hier mitnehmen, so viel er oder sie tragen kann. Ohne einen Cent dafür bezahlen zu müssen. Reiner Böhmer hatte am Vormittag selbst Schallplatten und CDs angeliefert, „ich wollte mal sehen, wie das hier so zugeht“, sagte er um kurz vor 14 Uhr vor dem Tor der TBR inmitten von rund 400 anderen Wartenden.

Das Gedränge war groß, es wurde noch viel größer, als das Tor geöffnet wurde. Die Menschen rannten los, als ob es in der Halle was umsonst gab. Und das tat es ja auch tatsächlich. „An die 50 bis 60 Tonnen Material werden jedes Mal angeliefert“, so Reidelbach. Diese gewaltige Menge wurde dann von den rund 45 Freiwilligen des BUND auf die von den TBR aufgestellten Tische verteilt oder auch darunter gestapelt. Da war schon jede Menge Muskelkraft gefragt – wobei es natürlich einen Unterschied macht, ob man Schallplatten, Elektrogeräte oder Stofftiere auf die Tische verteilt.

So manche Kuriositäten seien jedes Mal dabei, berichtete Joachim Reidelbach. Vom Stoffbiber über Kuschelelche, Lampenschirme bis zu Hosen und zur Schallplatte von Andrea Jürgens gab es alles. Also alles, bis auf das, was nicht angenommen wurde: Dazu zählen laut Reidelbach etwa völlig verdreckte Klamotten, Kriegsspielzeug oder auch Skier. Letztere würden überhaupt nicht mehr nachgefragt. „Es gibt aber auch Leute, die bringen geschlossene Kartons und darin finden wir dann etwa Chemikalien wie Pestizide.“ Unglaublich, auf was für Ideen so manche Menschen kommen. „Vor allem im Dekobereich gibt es nichts, was hier nicht schon aufgetaucht ist“, sagt der Kenner und schmunzelt.

Das werde sich jedoch vermutlich mit dem Auftauchen von solchen chinesischen Plattformen wie Temu noch verstärken, vermutet der ehrenamtlich Engagierte. Das Gedränge an den Tischen war wie jedes Mal groß, geschätzte 400 bis 600 Personen suchten alles Mögliche – „vor allem bei den Elektrogeräten ist der Andrang immer sehr groß“. Kleidung und Schuhe würden ebenfalls recht gut weggehen ebenso wie Spielwaren.

Was kaum Interesse findet: Bücher. Auch bei Schallplatten sei die Nachfrage nicht gerade riesig. Und das Angebot habe sich stark verändert – während vor 20 Jahren noch viel Rock und Pop abgegeben wurde, werden laut Reidelbach heute vor allem Schlager, Operetten, Volksmusik abgegeben. „Der Unterschied zu Flohmärkten ist ja der, dass hier alles ohne Geld über die Bühne geht“, sagte Joachim Reidelbach.

Ärger, Streitigkeiten, womöglich sogar Schlägereien um die Waren gebe es sehr selten. Wenn zwei oder drei Personen genau das gleiche Ding wollen, greifen die Ehrenamtlichen ein. Und wenn um 17 Uhr die Suchenden das Gelände wieder verlassen haben, mussten die BUND’ler noch aufräumen. „Der Rest geht in Container, andere Möglichkeiten gibt es nicht.“

Die Weitergabe an caritative Organisationen sei mal versucht worden, „das hat aber nicht funktioniert“. Immerhin werde durch die Abgabe beim Warentauschtag eine ganze Menge Müll vermieden. Oder er landet nicht in der Landschaft, womöglich sogar im Wald. Reidelbach freut sich schon auf das nächste Mal, am voraussichtlich letzten Samstag im März. Auch dann werden die Anlieferer vielleicht hin und wieder mal ein Dankeschön an die Ehrenamtlichen richten. „Nachmittags bei den Abholern kommt das eher selten vor.“

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