Viel Wissenswertes im Karl-Bader-Privatmuseum – Geschichtsverein Härten beim Höflesfest in Jettenburg

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Geschichtsverein Härten lockte bei Karls Höflesfest in Jettenburg erneut ein breites Publikum an – Führungen durchs Museum mit Herbert Raisch

Die Härten zwischen Reutlingen und Tübingen sind etwas Besonderes. Natürlich. „Früher sagte man, die Gemeinden auf den Härten sind das Waagscheißerle zwischen den Städten“, sagte Hans Kern und lacht. Die Härten seien also so was wie das Zünglein an der Waage zwischen beiden Kommunen gewesen. Als Vorsitzender des Geschichtsvereins Härten stand Kern auch am Sonntag wieder hinter Karls Höflesfest in Jettenburg. Die Veranstaltung gebe es schon seit rund 25 Jahren, den Namen von Karl Bader trägt es aber erst seit dessen Tod im Jahr 2009.

Alles, was auf dem riesigen Gelände des Baderschen Anwesens in Jettenburg zu finden ist, hatte der Gründer des Braun Möbel-Centers selbst zusammengesucht – etwa bei Abbruchhäusern sammelte er alte Balken und Steine. In dem privaten Museum sind aber auch alte Spätzlesmaschinen in allen nur erdenklichen Größen und Variationen zu finden, aus Holz und aus Metall.

Durch das alte Wohnhaus der Baders führte am Sonntag einmal mehr Herbert Raisch – mit großer Freude und unheimlich viel Fachwissen über all die alten Dinge vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Darunter befinden sich Gebrauchswerkzeuge wie Sicheln der Kompf und viel mehr aus der Landwirtschaft, aber auch Alltagsdinge in der Küche, in der Wohnstube bis ins Schlafzimmer hinein.

„Die Erwachsenen schliefen ja früher in Himmelbetten“, erläuterte Raisch bei einer Führung. Das über den Schlafenden gespannte Tuch sollte aber nicht davor schützen, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt – „da lagen früher Äpfel drauf“, so Raisch. Übrigens habe es damals keine Liebesheiraten gegeben, „die Eltern haben entschieden, so kam Acker zu Acker, die Jungen hatten nichts zu melden“.

Was ebenfalls in dem Museum im einstigen Wohnhaus der Baders zu sehen ist: Unterschiedlichste Trachten von den Härten, aus Wankheim, Mähringen, Jettenburg, aber auch aus Betzingen. „An den Trachten konnte man die Stellung und den Stand der Personen ablesen“, so Herbert Raisch. Eine kleine Brosche um den Hals der Frau etwa zeigte an, wie viele Pferde sie besaß. Doch auch an vielen anderen Dingen wie Ketten, Kopfschmuck, Borten und mehr war abzulesen, was Männlein und Weiblein einstmals mitbrachten. Solches und noch viel mehr Wissen gab Herbert Raisch am Sonntag bereitwillig an die Interessierten weiter.

Zu sehen, zu betrachten und zu bewundern gab es aber noch viel mehr auf dem Baderschen Gelände im Höfle in Jettenburg, in der Mähringer Straße 16. So ziert auch eine beeindruckende Kapelle den riesigen Garten, eine Scheuer, kleinere Schuppen, weitere Gebäude, ein Brunnen – „alles stammt von Karl Bader“, sagte Hans Kern.

Allerdings hat auch der Geschichtsverein schwer mit dem Nachwuchsmangel zu kämpfen. „Das Durchschnittsalter bei uns liegt zwischen 75 und 80 Jahren, dieses Mal konnten wir das Höflesfest noch aus eigenen Kräften stemmen“, sagte Kern. „Ob das nächstes Jahr auch noch funktioniert, muss sich zeigen.“ Viele Leckereien erwarteten die Gäste am Sonntag wieder, neben Flammkuchen, Maultaschen auch Rote und Holzofenbrot. Obendrein natürlich jede Menge unterschiedliche Getränke und donauschwäbische Volksmusik.

„Wir haben Mitglieder aus allen fünf Teilgemeinden von Kusterdingen“, erläuterte Hans Kern. Aber: „Der Verein ist mit 140 Mitgliedern gestartet, heute haben wir gerade mal noch die Hälfte.“ Ansonsten betreibe der Verein „a bissle Ahnenforschung“, doch auch dort habe das Interesse stark nachgelassen. Dabei besitzt Kern Unterlagen aus Kusterdinger Kirchenbüchern bis zum Jahr 1576 zurück. Und das, obwohl der württembergische Oberkirchenrat alle Kirchenbücher eingezogen hat.

Wer Interesse an den Eintragungen hat, soll sich an ihn als Vorsitzenden des Geschichtsvereins wenden. Er habe all die Unterlagen im Computer gespeichert – und zwar lesbar. Wenn man sich über die Plattform Archion einkaufe, könne man zwar auch dort Einblick in die alten Kirchenbücher erhalten – allerdings in der damaligen Schrift. Die heute kaum noch jemand lesen könne. Und: Wer Interesse an einer Führung durch das Privatmuseum des Geschichtsvereins hat, auch da können man sich an Kern und den Verein wenden.

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