Tolle Filme trafen auf mäßiges Interesse – Open-Air-Kino in Bad Urach ging am Samstag zu Ende

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Bad Uracher Open-Air-Kino endet nach zehn Abenden mit einem durchwachsenen Fazit und vielen freien Plätzen

Wer am Samstag, dem letzten Open-Air-Kino-Abend 2025 in Bad Urach, nicht in den Hof der Altstadtschule gekommen ist, der und die haben tatsächlich was verpasst. Klar – gerade als die Ehrenamtlichen des Stadtjugendrings die Pforten öffneten, schüttete es in Strömen auf die Ermsstadt herunter. „Am Vorabend war es ähnlich“, berichtete Thorsten Hail am Samstag.

Drei kurze Schauer waren am Freitagabend über die Stadt gezogen, „danach hatten wir klaren Sternenhimmel“, so der Vorsitzende des Stadtjugendrings. Genauso verhielt es sich am Samstagabend. Nach kurzen Schauern folgte tolles Open-Air-Kino-Feeling, gegen später wurde es frisch – aber gehört das nicht zu einem Freiluftkinoerlebnis dazu?

Der Film am Freitagabend „Cranko“ war mindestens so begeisternd wie der am Samstag. „The life of Chuck“ ließ die Zuschauer zunächst im Unklaren, worauf die Geschichte hinauslaufen sollte. Beziehungsweise, was das sollte mit diesem Chuck, für den überall geworben wurde – während der Weltuntergang an Fahrt aufnahm, während global Katastrophen auf Katastrophen folgten, nichts mehr ging, nicht einmal mehr das Internet. Nur die Werbung für Chuck, der Dank für 39 wunderbare Jahre, tauchte überall auf.

Nach und nach offenbarte sich die Geschichte von Chuck, von Charles Krantz, einem Menschen, der nur 39 Jahre alt wurde. Der aber sein Leben gelebt hat. Mit seiner großen Leidenschaft, dem Tanz. Und der Buchhaltung. Oder eher der Mathematik. Die nie lügt. Auf die alles aufbaut. Insgesamt ein Film, über den man länger nachdenken kann. Ein Stephen King ohne Horror. Aber doch mysteriös.

Viele Plätze sind am Samstag- und am Freitagabend freigeblieben, „insgesamt hatten wir für 500 Personen bestuhlt“, berichtete Thorsten Hail. Durchschnittlich kamen zu den zehn Vorstellungen um die 200 Gäste jeden Abend, insgesamt 2.000 Besucherinnen und Besucher. Der Vorstellung „Der Salzpfad“, am Dienstagabend, war ausverkauft – als einziger Film. Doch die anderen Abende Open-Air-Kino hätten sich auch gelohnt. „Wir suchen ja die Filme immer so aus, dass wir schauen, was gab es denn im vergangenen Jahr an Highlights, was lief gut, was gab es Besonderes“, so Hail.

Die Suche nach Gründen, warum die Open-Air-Kino-Saison in Bad Urach eher durchwachsen war, ist schwierig. Klar, Freitag und Samstagabend kam der Regen. Aber an den acht Abenden zuvor war das Wetter bestens, besseres Freiluftkinowetter war eigentlich kaum vorstellbar.

„Vielleicht lag es ja auch am Wetter davor“, mutmaßte der Stadtjugendring-Vorsitzende. Im Juli war es kühl. Regnerisch. „Bis sich die Leute wieder an gutes Wetter gewöhnt, bis sie dem Wetter getraut haben, da war die Hälfte des diesjährigen Programms schon fast wieder vorbei“, so Hail.

Und dann kam ja der Regen an den letzten beiden Abenden zurück. Aber nur vor, nicht während der Vorstellung. Eigentlich hätte einem Besuch im Hof der Altstadtschule also nichts im Weg gestanden. Eigentlich. Wenn man dem Wetterradar getraut hätte. Aber: „Toll war, dass wieder viele Ehrenamtliche sich eingebracht haben“, sagte Thorsten Hail am Samstagabend kurz vor dem letzten Film. In 130 Schichten hatten rund 40 Freiwillige zehn Abende lang dafür gesorgt, dass alles rund lief. An der Kasse, bei der Bewirtung, bei der Technik. „Ohne diesen Einsatz wäre das Kino-Open-Air gar nicht möglich.“

Finanziell komme der Stadtjugendring also raus, „die technischen Geräte gehören uns ja, die müssen wir nicht teuer ausleihen“. Auf Dauer, auf mehrere Jahre verteilt, sollten natürlich ein paar mehr Zuschauer kommen. „Wir müssen die Technik ja irgendwann erneuern, austauschen“, sagte Thorsten Hail.

Nach dem Open-Air-Kino ist allerdings vor dem neuen Programm im Bad Uracher forum22 und im Metzinger Luna-Filmtheater, die der Stadtjugendring betreibt. Auch da werden in den drei Kinosälen wieder begeisternde, berührende, lustige, spannende, anspruchsvolle Filme zu sehen sein. Thorsten Hails Tipp: Einfach mal vorbeikommen. Kino-Atmosphäre sei nun doch was Besonderes, was Anderes.

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