Kaiser von Willmandingen – Ein selbst erlebtes Märchen

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Neulich war ich unterwegs auf der Alb.

In Willmandingen. Ein mystischer Ort, dachte ich mir. Und dazu Kaiserwetter.

Warum sollte ich mich in der hübschen Kirche nicht zum Kaiser krönen lassen?

Die Krone stand im nahen Wald schon bereit.

Sollte ich mir zur Feier des Tages noch einen grünen Schnauzer gönnen, fragte ich den Zauberspiegel.

„Lass das bloß bleiben“, antwortete mir Bine, die Waldfee, aus dem Spiegel heraus.

„Wenn du Herrscher über das Land

zwischen Mössingen und Willmandingen werden willst“, sagte die Weise aus dem Feenland,

„dann musst du seriös und siegesgewiss auftreten – naja, so ähnlich.“

„Du musst den Menschen von reich gedeckten Feldern berichten und

natürlich musst du Geschenke mitbringen,

viele Geschenke,

bunte Geschenke“, sagt die Fee.

„Du musst die Farben des Kaisers und der Kirche mitbringen“,

versicherte mir die Waldfee. „Und du brauchst natürlich einen Kaisermantel,

gefertigt aus Tausenden dieser gleichnamigen

Schmetterlinge.“

„Wie soll das funktionieren und was sagen da die Tierschützer dazu“, fragte ich die Waldfee.

„Lass mich mal machen, ich habe Connections“, sagte Bine.

„Und ich räume Hindernisse aus dem Weg – ich mach den Weg frei.“ Ich sah sie fragend an.

„Ich habe eine Verwandte, die Turbobine – oder auch Tour-Bine genannt.“

„Die hat einen superschnellen Lieferservice, (das war wohl das falsche Bild, sorry)

Bee Mobile heißt ihr Turbo-Service.“

„Kurz schick ich die das Steigle rauf und ruckzuck ist der Kaisermantel hier.“

Ich hatte Zweifel, versuchte meine Balance wiederzufinden.

Auf dem Weg zurück zur Kirche von Willmandingen übte ich schon mal meine Rede für die Krönungszeremonie,

ich würde reich gedeckte Felder versprechen,

immergrüne Landschaften und

Energie ohne Ende.

Kurz vor Willmandingen rutschte

mir denn doch das Herz in die kurze, leuchtende Hose.

Und angesichts der Größe der Aufgabe blieb mir der Mund weit offenstehen – Maulsperre.

Verzweifelt eilte ich zurück in den Wald, rief laut nach Bine. Es klang eher nach „Iine, Iiine, Iiiiine.“

Doch ich traf die Fee tatsächlich wieder, sie sagte:

„Warte, ich frage die Weisen im Buchbrunnen – die haben die Weisheit quasi mit Löffeln gelöffelt.“

Die Fee eilte davon,

die Zeit verging. Stunde um Stunde. Als Bine wiederkam, sagte sie: „Du musst zurück zum Zauberspiegel.“

Ich tat wie geheißen, blickte in den Spiegel und fragte: „Was soll ich tun?“ Wie durch ein Wunder war die Maulsperre verschwunden.

Und der Spiegel antwortete: „Du Bachel, was willst du Kaiser werden und womöglich auch noch Franz heißen?“

„Bleib wie du bist, du bist doch okay.“ Da ereilte mich doch fast wieder die Maulsperre. Aber nur fast.

Am Ende der Geschichte war ich unheimlich erleichtert. Ach, war das schön. Kein Kaiser. Dafür weiter Lokalschreiberling. Viel, viel besser.

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