Kilchberger haben mehr als 210.000 Euro Spenden für die Tafel in Tübingen gesammelt

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(Foto oben: Die Ehrenamtlichen der Tübinger Tafel freuen sich mit ihrem Vereinsvorsitzenden Detlef Kugele über die Unterstützung aus Kilchberg.)

Kilchberger Initiative zur Unterstützung der Tübinger Tafel gehen nach 2,5 Jahren die Spenden aus – die Initiatorinnen wollen aber weitermachen

über die Erinnert sich noch jemand an die Energiepreispauschale? 2022 wurde die eingeführt, nachdem Russland die Ukraine überfallen und einen schrecklichen, menschenverachtenden Krieg begonnen hat. Das billige Gas aus Russland blieb aus, andere, teurere Quellen mussten gefunden werden. Die Angst ging um, dass die Deutschen im Winter 2022/2023 frieren müssten.

Energie wurde drastisch teurer, die Bundesregierung erfand die Energiepreispauschale – und schüttete sie mit der Gießkanne aus. Einmalig 300 Euro sollten Arbeitnehmer, Minijobber, Studierende, Selbständige und Ehrenamtler erhalten. „Wir haben von einigen Wohlhabenderen gehört, dass sie die Pauschale nicht bräuchten“, erinnert sich Hagar Steiff.

(Foto: Hagar Steiff (links) und Bettina Koschtjan hatten vor fast drei Jahren die Idee, die Energiepauschale direkt an die Bedürftigen weiterzugeben – über die Tübinger Tafel.)

Zusammen mit Bettina Koschtjan entwickelte sie die Idee einer Umverteilung – von oben nach unten, zu den wirklich Bedürftigen. Und wie könnte das Geld am ehesten, unbürokratisch den Ärmeren zugutekommen? „Über Lebensmittel bei der Tafel“, sagt Steiff. Weil zudem auch regionale Produzenten von Lebensmitteln in jenen Tagen deutliche Einbußen hinnehmen mussten, verbanden Koschtjan und Steiff beides miteinander – und der Verein Pro Kilchberg übernahm die Verwaltung der Spendengelder.

„Die Mitarbeiter der Tafel entwickelten ‚Wunschlisten‘, die regionalen Anbieter boten ihre Waren zum Großhandelspreis an und wir haben in Kilchberg einen Fahrdienst organisiert“, so Steiff. Für die Tübinger Tafel war die unvermutete Unterstützung durch das Kilchberger Projekt ein wahrer Segen. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen zum Einkaufen in die Tafel kamen, standen plötzlich Steiff und Koschtjan da und halfen. Zumal es in dieser Zeit immer schwieriger wurde, gespendete Waren von den Supermärkten, Discountern, Bäckereien und anderen mehr zu erhalten.

„Anfangs haben wir für 2.000 Euro wöchentlich Waren an die Tafel geliefert, heute sind es noch knapp 1.000 Euro“, berichtet Hagar Steiff. Detlef Kugele und die rund 180 ehrenamtlichen Heler in der Tafel möchte die Kilchberger Unterstützung nicht mehr missen. „Das ist der Hammer, was die uns liefern“, so der Tafel-Vereinsvorsitzende. 80 Liter Milch pro Woche, dazu Molkereiprodukte, 35 Kilogramm Mehl, Haferflocken, 80 Kilogramm deutscher Rübenzucker, 25mal  500 Gramm Packungen Nudeln, 540 Eier – all das liefert Steiff oder einer der rund ein Dutzend Fahrer jede Woche.

„Nach 2,5 Jahren haben wir insgesamt 211.833 Euro und 60 Cent an Spenden erhalten“, sagt Hagar Steiff nicht ohne Stolz. Dass die Spendenaktion so lange laufen würde, hätten die beiden Frauen anfangs nicht gedacht. „Unser Ziel war zunächst, den Winter 2022/2023 die Tafel zu beliefern.“ Den größten Batzen an Spenden (mit 135.000 Euro) hat die Kilchberger Initiative über eine Weihnachtsspendenaktion erhalten. Aber: Annähernd 80.000 Euro kamen zudem von Privatspendern und von Firmen dazu. „Und wir kriegen jeden Monat 500 Euro von GEA-Leser helfen.“

„Wenn wir so wie bisher weitermachen, können wir die Tafel noch drei bis vier Monate beliefern“, sagt Hagar Steiff. „Wir haben die ganze Zeit gesagt: Wenn das Geld weg ist, hören wir auf.“ Aber: So ganz sang- und klanglos wollen sie nun doch nicht aufhören. „Wir sind per Mail immer wieder gefragt worden, ob es das Projekt noch gibt.“ Außerdem würden die Tafelmitarbeiter immer wieder fragen, wie lange es die Unterstützung aus Kilchberg noch geben wird. Auch Detlef Kugele hofft natürlich, dass es mit den Lebensmittelspenden aus dem Tübinger Teilort weitergeht. „Das Projekt ist ja wirklich ganz toll.“

(Foto: Rund 180 Ehrenamtliche bringen sich in die Tübinger Tafel ein.)

Eine Familie mit drei Kindern zahlt pro Erwachsenen einen Euro beim Einkauf. Voraussetzung ist, dass die Kunden eine Kreisbonuskarte haben. Ein oder zwei Euro klingt nicht nach viel, damit kann aber immerhin ein Teil der Tafel-Kosten gedeckt werden. Die Miete in der Eisenbahnstraße sei günstig, müsse aber genauso wie Strom (vor allem für den Kühlraum), Heizung, vier Fahrzeuge, Benzin und anderes mehr monatlich bezahlt werden. „Deshalb sind wir auch auf Spenden angewiesen“, sagt Kugele. Doch das funktioniere ganz gut in Tübingen.

Wer heute als Neuling in die Tafel kommt, „der muss mit einer Wartezeit von bis zu fünf Monaten rechnen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Fluktuation gebe es immer in der Tafel. Wenn etwa Ukrainer zurück in die Heimat gehen. Oder Menschen Arbeit finden und damit die Berechtigung für die Kreisbonuskarte verlieren. Insgesamt rund 1.200 Menschen oder etwa 440 Haushalte werden wöchentlich durch die Tafel mit Lebensmitteln versorgt. „Es kommen auch viele Kunden von auswärts etwa aus Gomaringen, Nehren, Jesingen“, sagt Kugele.

Und wenn Lebensmittel übrigbleiben? „Wir haben eine sehr gute Kooperation mit den Foodsharern.“ Die kommen kurz vor Ladenschluss und holen die noch verwertbaren Lebensmittel ab. „Was dann wirklich noch an verdorbenen Waren übrigbleibt, geht entweder in eine Biogasanlage oder wir müssen dafür zahlen, dass Refood die abholen.“

Klar sei jedoch: Gerade die Waren von der Kilchberger Initiative seien besonders wichtig und beliebt. Weil es sich bei Mehl, Nudeln, Milch, Eiern eben auch um Lebensmittel handle, die sonst kaum zu kriegen sind. Zumal in der hochwertigen Qualität der regionalen Produzenten.

INFO:

Spenden für die Tübinger Tafel über Pro Kilchberg

Wer die Arbeit der Kilchberger Initiative (und damit die Tafel Tübingen beziehungsweise die Kundinnen und Kunden) unterstützen möchte, kann dies über die Kreissparkasse Tübingen tun, auf das Konto mit der IBAN: DE50 6415 0020 0001 2657 72, an Pro Kilchberg e.V., Verwendungszweck: Tübinger Tafel.

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