20jähriges Bestehen des Vereins Soifa-Bobby-Club St. Johann am vergangenen Wochenende groß gefeiert – Viel Aufwand
(Foto: Tolle Boliden gab es am Sonntag zu sehen, als die Veteranen sich nochmals auf die Strecke trauten.)
Heiß ging es her am Samstag und Sonntag am „Steigle“ beim Würtinger Sportplatz. Das lag aber weniger an den Temperaturen als vielmehr am Rennfeeling, am Gefühl für die Geschwindigkeit, am Adrenalin, nach dem man laut Horst Kitsch vom Verein „Soifa-Bobby-Club St. Johann“ wirklich süchtig werden kann. „Bei den Rennen kriegt man Adrenalinschübe, das ist ja quasi eine körpereigene Droge – das Verlangen danach lässt nicht nach“, sagte Horst Kitsch und lacht.
(Foto:So dicht auf dicht in einer Reihe fuhren die Rennwagen nur, als sie den Hang hinaufgeschleppt wurden.)
So erging es außer ihm und dem Vereinsvorsitzenden Michl Kuhm noch 79 weiteren Fahrerinnen und Fahrern am Samstag und Sonntag. „Dazu kam noch das lang ersehnte Nachtrennen, das wir anlässlich unseres 20. Geburtstags zum ersten Mal durchführten“, so Kitsch. 18 Fahrerinnen und Fahrer hatten sich am Samstagabend ab 22 Uhr auf die Strecke gewagt, „die Fahrten waren teilweise schon wie im Blindflug“, sagte Steffi Engelhart von dem ganz besonderen Verein.
(Foto:Alt und Jung, Groß und Klein vergnügten sich beim Seifenkistenrennen.)
„Aber es hat allen super gefallen“, betonte sie. Und der 15jährige Lenox habe es sogar geschafft, nachts noch einen Tick schneller zu sein als tagsüber bei den Wertungsläufen. „Mir ist unerklärlich, wie er das gemacht hat“, sagte der Profi Kitsch, der in Kürze zusammen mit seiner Frau bei dem europäischen Seifenkisten-Wettkampf in Spanien dabei sein wird. „Wir haben hier auch schon dreimal die Deutschen Meisterschaften ausgetragen“, sagte der Rennfahrer, nicht ohne Stolz.
(Foto: Viel Aufwand, viele Reifen zum Schutz, Bauzäune und noch viel mehr mussten von Vereinsmitgliedern für das Rennen am Wochenende herbeigeschafft werden.)
Beim Nachtrennen am Samstag seien ein paar Stellen der insgesamt 666 Meter langen Strecke ausgeleuchtet gewesen, viele aber eben nicht. „Da kam es auch drauf an, dass die Fahrzeuge sich selbst den Weg ausleuchteten“, sagte Kitsch und deutete auf eine Seifenkiste, die nicht nur mit einer superstarken Batterie und passenden Leuchten die Strecke ausleuchten konnte, „der hatte sogar Fernlicht dabei“, so Kitsch.
(Foto: Einfallsreich und mit großem Basteltalent präsentierte sich die Funklasse der Seifenkisten.)
Der Aufwand hinter den Kulissen für das jährliche Rennen sei schon sehr groß, gestand das Vorstandsmitglied. „Insgesamt haben wir 20 Tonnen Material, das wir etwa mit Betonklötzen, Bauzäunen, 2.300 Autoreifen und unserem Zelt für die Veranstaltung brauchen.“ Zum Aufbau reichen die helfenden Hände der Vereinsmitglieder, aber an den Renntagen selbst haben sie glücklicherweise Unterstützung – zum einen vom Musikverein Frankenhofen und vom Discgolf-Club Achalm. „Wir revanchieren uns dann, wenn die Partnervereine ihre eigenen Veranstaltungen haben“, so Kitsch.
(Foto: Sogar Asterix und Obelix waren am Sonntag auf der Strecke.)
Besondere Beachtung fand am Sonntag die Fun-Klasse: Dort waren Fahrzeuge zu bestaunen, die weit mehr als zum Schmunzeln einluden: Da fuhren Asterix und Obelix in einem kleinen umgebauten Weinfass mit Streitwagen den Hang hinunter. Es folgte eine Lokomotive mit Dampf oder auch ein Oldtimer-Flugzeug und eine Badewanne. „Ein Krankenbett musste kurzfristig absagen, weil eine Bremse nicht funktionierte“, bedauerte Horst Kitsch.
(Foto: In der Funklasse fuhr sogar eine Badewanne mit, wie Horst Kitsch demonstrierte.)
Die Renntage des Soifa-Bobby-Clubs St. Johann waren auf jeden Fall ein Ereignis für Groß und Klein, für Jung und Alt. Die Begeisterung übertrug sich ganz offensichtlich von den Rennsportlerinnen und Rennsportlern auf das Publikum. Und das auch, als der Lauf der Legenden startete. Hier gingen Fahrerinnen und Fahrer an den Start, die vor 20 Jahren und sogar vorher schon mit dabei waren. Geboren wurde die Idee laut Kitsch, als Klaus Schiffler zu seinem 50. Geburtstag einen „Renncircus“ mit Seifenkistenrennen veranstaltet hatte. „Daraus ist dann der Verein entstanden, der heute 50 Mitglieder hat.“
Mitfahren durften im Übrigen Kinder schon ab sechs Jahren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen dieses Jahr laut Markus Holder als Finanzvorstand „vom Schwarzwald bis nach Ostdeutschland“. Und darüber hinaus, denn: Unter den fast 100 Startern waren auch welche aus der Schweiz, aus dem Elsass und aus Tschechien. „Wir haben aber auch viele Stammfahrer, die jedes Jahr wieder dabei sind“, so Holder.
(Foto: Werner hat als Vereinsmitglied die Seifenkiste mit einem anderen Fahrzeug getauscht, wie er selbst betont hatte. „Mein Arzt sagte, das ist sicherer“, betonte er und lachte.)
Im Vordergrund stand auf jeden Falll auch in diesem Jahr wieder der Spaß. Und das Adrenalin, beim Hang hinunter brettern mit bis zu 90 Stundenkilometern. Wem da die Schweißperlen nicht auf der Stirn stehen und den Rücken runterperlen, den kann wahrscheinlich überhaupt nichts schocken. Und das, obwohl die Sicherheitsvorschriften natürlich bei jeder Seifenkiste eingehalten werden müssen. Unfälle habe es übrigens beim Nachtrennen nur einen einzigen gegeben. Der Fahrer habe keine Blessuren gehabt und der Rennwagen war am nächsten Tag wieder startklar, wie Horst Kitsch erläuterte – kurz bevor er selbst wieder auf die Piste musste.