Andenken an die Bretagne: Französisches Knöllchen

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Heute ist uns ein Brief aus Frankreich ins Haus geflattert. „Oh“, dachte ich in schöner Erinnerung an unseren Bretagneaufenthalt im vergangenen September. Doch das freudige Gefühl ließ schnell rapide nach, als ich den Brief geöffnet hatte: „Zahlungsaufforderung“ stand da, bestens lesbar, auf Deutsch, dick und fett unter dem Logo der französischen Flagge, die mit den Worten „Liberté – Égalité – Fraternité République Francaise“ garniert war.

Ein Knöllchen? Aus Frankreich? Das hatten wir noch nie. Interessant, dachten wir. Doch beim Durchstöbern der sehr bürokratisch gehaltenen Mitteilung und der Suche nach dem zu zahlenden Betrag, stieß ich zunächst auf das Vergehen: Zwischen Vern sur Seiche und Chartres de Bretagne hat uns ein Blitzer fotografiert. Erlaubt waren auf dieser Strecke maximal 80 Stundenkilometer, gemessen hat das Gerät eine Überschreitung von 7 km/h. Abzüglich der Toleranz von 5 km/h ergab sich eine Überschreitung von sage und schreibe 2 Stundenkilometer. Naja, dachten wir. Das fällt doch bei unseren lieben und freundlichen Nachbarn ganz bestimmt unter den Aspekt des zu vernachlässigenden Vergehens. Dachten wir. Ich suchte also frohgemut nach dem zu zahlenden Betrag, der doch bestimmt mit Null angegeben sein würde. Sein müsste. Ich war mir sehr sicher. Schließlich würden doch die Franzosen noch viel mehr auf ihre Freiheit halten, als wir hier im Land. Sagte Bine.  Und zwei Kilometer müssten doch im Rahmen der Freiheit drin sein. Oder?

Tja, was soll ich schreiben? Pfeifendeckel, fällt mir als erstes ein. Drei Beträge stachen mir nun ins Auge: 45 Euro, 68 und 180 Euro. „Kann man in Frankreich wählen, was man zahlen will“, fragte ich Bine. Und tatsächlich: Wenn man innerhalb von 46 Tagen zahlt, kostet es 45 Euro, zwischen 47 und 76 Tagen macht es 68 Euro und darüber 180. Okay, dachte ich. Wie schön. Aber: Es kann doch nicht sein, dass eine Geschwindigkeitsüberschreitung (was für ein Wort) von lächerlichen 2 (in Worten: zwei) Stundenkilometern 45 Euro kosten soll? 45? Ich spürte wie mir der Kamm schwoll. Ein Blick in den französischen Bußgeldkatalog bestätigte die Zahl jedoch. Beziehungsweise: Dort steht sogar 68 Euro für eine Überschreitung bis zu 20 Stundenkilometer Das gilt für außerorts. Innerorts sind es sogar 135 Euro. Also mit 51 km/h geblitzt – 135 Euro. Wahnsinn. Da sind die 45 Euro ja regelrecht ein Schnäppchen. Könnte man denken. Wollte ich aber nicht so richtig.

Also warf ich einen Blick in den deutschen Bußgeldkatalog: Da galten bisher bei Überschreitungen von bis zu 10 km/h vernachlässigbare 15 Euro. Das galt allerdings innerhalb geschlossener Ortschaften. Außerhalb war es noch billiger: 10 Euro bei bis zu 10 km/h mehr. Nach dem neuen Katalog sollen es künftig innerorts 30 und außerorts 20 Euro sein. Im Vergleich zu den Franzosen ist das aber immer noch lächerlich. Kein Wunder also, dass bei uns alle rasen wollen? Abschreckende Wirkung hat das deutsche System auf jeden Fall nicht, selbst bei der künftigen Erhöhung nicht. „Warum gilt der französische Bußgeldkatalog nicht auch bei uns“, ereiferte sich Bine. Allerdings lohnt sich ein weiterer Blick über die Grenze: Zwischen 20 und 40 Stundenkilometer mehr als erlaubt kosten in Frankreich 135 Euro – zwischen 30 und 39 km/h kann dann aber auch der Führerschein für drei Jahre entzogen werden. Bei uns kostet das künftig für eine Überschreitung zwischen 20 und 40 km/h zwischen 100 und 200 Euro. Ab 26 km/h könnte bei wiederholten Verstößen auch ein Monat Fahrverbot erfolgen. Lächerlich. Ein Monat. Pffff. In Frankreich hingegen kann es so richtig heftig werden, wenn jemand geblitzt wird und dabei 50 km/h mehr als erlaubt gerast ist – der muss dann 3750 Euro berappen. Bei Wiederholungstätern drohen gar bis zu drei Jahre Führerscheinentzug, als Garnierung oben drauf bis zu drei Monate Haft. Und die Krönung: Das Fahrzeug kann auch noch beschlagnahmt werden. Wow, denke ich. Solche Dimensionen sind im deutschen Bußgeldkatalog nicht einmal denkbar. „Das wäre bei uns auch dringend notwendig“, sagt Bine. Aber: Ganz nebenbei erwähnt, ich schreibe das auch unten im Kleingedruckten, so dass es eigentlich fast niemand lesen kann:

Das französische Knöllchen hat ja eigentlich Bine erhalten, weil sie an beschriebener Stelle gefahren ist. „Hättest du dich halt an die Geschwindigkeitsbeschränkung gehalten“, habe ich zu ihr gesagt.

Ich muss zugeben: Das war vielleicht fies. Aber nur ein bisschen.

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